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In dieser Folge:
Drei Antworten auf Stilfragen
Heute geht es um drei Antworten zu Stilfragen. Konkret um die Themen Einstecktuch, Krawattenlänge und was es bei Strümpfen zu beachten gilt.
Die Sache mit dem Einstecktuch
Lange Zeit hat man es nicht gesehen – einige glaubten es gar ausgestorben. Dachte man an das Einstecktuch, dann dachte man an alte Filme oder alte Herren mit verstaubtem Charme – irgendwie aus der Zeit gefallen. Seit einiger Zeit kehren sie zurück, ganz so, als würde man eine Form von Wiederaufforstung oder Wiederansiedelung betreiben. Vielfältig sind sie geworden nach all den Jahren. Sicherlich gibt es sie noch immer -akkurat gefaltet in weiß zur dunklen Abendgarderobe, aber auch farbenfroh und in besonderen Stoffen und feinster Verarbeitung.
Dieser kleine Beitrag möchte Ihnen etwas über die Geschichte des kleinen Tuches erzählen und auch den ein- oder anderen Ratschlag für Ihren persönlichen Umgang damit geben.
Es gibt wohl kein anderes Accessoire, bei dem viele Männer so derart verunsichert sind wie bei dem Einstecktuch. Sowohl im Hinblick auf das Stilbewusstsein als auch in der eigenen persönlichen Reflektion stellt es – obwohl recht klein – eine umso größere Herausforderung dar. Häufig sind unsichere Zeitgenossen mit der Abstimmung auf die restliche Kleidung überfordert, das Einstecktuch fällt auf, es ist bisweilen bunt und – wie soll es überhaupt getragen werden? Wann soll Mann es tragen und zu welchen Anlässen?
Seien Sie beruhigt – es ist viel einfacher als Sie denken!
Tragen Sie das Einstecktuch immer dann, wenn Sie ein Jackett tragen. Es spielt keine Rolle ob es sich hier um einen Anzug handelt, ein Sportsakko, ein Tweetjacket oder einen Blazer handelt. Auch spielt es keine Rolle ob Sie Jeans oder Chinos tragen. Auch ist es völlig unerheblich, ob Sie eine Krawatte tragen oder darauf verzichten. Ganz im Gegenteil kann eine Sport- oder Tweedjacke durch ein Einstecktuch einen Hauch von lässiger Eleganz bekommen.
Nachdem wir nun also das „wann“ geklärt hätten, bleibt noch das „wie“. Wählen Sie Ihr Einstecktuch passend zu einer der Farben der restlichen Bekleidung aus. Ein Tuch, das mit der Farbe Ihres Anzuges korrespondiert oder ein Stoff, der einen besonderen Kontrast zu dem übrigen Ensemble darstellt.
Selbstverständlich passt das akkurat gefaltete weiße Tuch noch immer zu dem dunklen Abend- oder Businessanzug, aber haben Sie einmal über das feine Seidentuch im groben Harris Tweed nachgedacht?
Zwei wichtige Ratschläge möchte ich Ihnen an dieser Stelle mit auf den Weg geben. Erstens: widerstehen Sie der Versuchung, Krawatte oder Schleife aus dem gleichen Stoff wie das Einstecktuch zu tragen. Es mag zwar praktisch sein, stellt aber einen unverzeihlichen Fauxpas dar, den Sie nun wirklich nicht begehen müssen.
Zweitens: seien Sie mutig und haben Sie Lust auf das Tuch!
Die richtige Krawattenlänge
Vielleicht ist ihnen das Bild eines amerikanischen Politikers mit deutschen Vorfahren bekannt, der nicht nur für das knallige Rot seiner Krawatten, sondern auch für deren übermäßige Länge bekannt ist. Für den Fall, dass Sie Ihr Geld nicht in der Unterhaltungsindustrie verdienen oder auch sonst keinen Bedarf an unfreiwilliger Komik haben finden Sie nachfolgend einige Ratschläge zum Thema Krawattenlänge.
Auf die Größe kommt es an…
Viel gilt es hier nicht zu beachten: Ihre Krawatte hat genau dann die richtige Länge, wenn die Spitze auf der Höhe des Hosenbundes oder der Gürtelschnalle endet. Damit hätten wir auch schon einige Einflussfaktoren erkannt: Körpergröße und Bauchumfang. Je höher bei Beiden der Wert ist, desto länger muss Ihre Krawatte sein.
Der richtige Knoten hilft oft
Je nach der Weise wie Sie die Krawatte binden wird die Gesamtlänge maßgeblich beeinflusst. Die Literatur und natürlich auch das Gesamte Internet können Ihnen eine Vielzahl spannender Knotenvarianten zeigen, die immer mal einen Versuch wert sind. Der Einfachheit halber beschränken wir uns an dieser Stelle auf die verbreiteten Varianten wie dem eher schmalen „Four-in-Hand-Knoten“, und dem etwas kompakteren „einfachen Windsor-“ oder den „doppelten Windsorknoten“. Vereinfacht gesagt: bei den Windsor Varianten benötigen Sie längere Krawatten da ein beträchtlicher Teil der Länge bereits für den Knoten verwendet wird. Darüber hinaus eignen sich die Windsor Varianten auch oft für sehr schmal geschnittene Krawatten bei denen der Knoten sonst sehr wenig Raum am Hemdkragen einnimmt. Der Four-in-Hand-Knoten hingegen ist in seiner Anwendung der eindeutig vielseitigere Knoten, seine längliche Knotenform die Halspartie streckt, darüber hinaus können sie diesen Knoten für fast jeder Krawattendicke verwenden.
Nie den Kragen platzen lassen!
Bei der Wahl des passenden Knotens sollten Sie in jedem Fall auch einen prüfenden Blick auf Ihren Hemdkragen werfen.
Je schmaler der Hemdkragen ist, desto schmaler sollte Ihre Knoten sein. Zu einem Kent- oder Button Down Kragen können sie jeden normal dicken Knoten binden. Tragen Sie einen Haifischkragen, so kann der gewählte Knoten breiter sein. Zu einem Tab Kragen sollten Sie einen möglichst schmalen Knoten tragen.
Werfen Sie einen prüfenden Blick in den Spiegel: wenn der oberste Knopf Ihres Hemdes verdeckt wird und die Spitze der Krawatte am Bund Ihrer Hose endet haben Sie gute Arbeit geleistet.
Wenn Sie zudem noch zwischen Kragen und Hals Platz für Ihren Zeige- und Mittelfinger haben, wird Ihre Kragenweite Ihnen keine Probleme bei der Luftversorgung machen.
Schlaufe oder Klammer?
Nicht nur der nach vorne sichtbare Teil der Krawatte, sondern auch der hintere, schmale Teil bedarf Ihrer Aufmerksamkeit. Achten Sie darauf, dass der schmale Teil immer an „seinem“ Platz – also hinter dem breiteren, sichtbaren Teil der Krawatte ist. Viele Krawatten haben hierzu eine Schlaufe auf der Rückseite, die hierfür perfekt geeignet ist. Sie können auch eine Krawattenklammer dazu verwenden.
Nie nackt am Hals?
Eine Schleife ist Ihnen zu Formell und heute ist ein Tag an dem Sie überhaupt kein Verlangen nach einer Krawatte haben, dennoch möchten sie nicht „nackt“ am Hals sein?
Schauen Sie sich einmal einen Krawattenschal an. Es gibt sie in mehreren Ausführungen. Beim “Ascot” oder dem “Plastron” ist das Nackenband sehr schmal und der vordere Strang sehr breit – bei dem in England häufig anzutreffenden Cravat sind beide Enden gleich breit und die Mitte schmal.
Zum Schluss möchte ich an Oscar Wilde erinnern: „Eine gut gebundene Krawatte ist der erste ernsthafte Schritt ins Leben.“
Wie halte ich es mit den Strümpfen?
Häufig hört man die Frage ob farbige Strümpfe zum dunklen Anzug passen. Zuerst einmal die konservative Sicht: hier sollten die Strümpfe nie heller als der Stoff des Anzuges oder der Schuhe sein. Demnach bleibt außer der Farbe schwarz nicht viel übrig wenn der Anzug schwarz oder dunkelgrau ist. Für den Fall, dass Sie einen dunkelblauen Anzug tragen, sind dunkelblaue Strümpfe eine gute Wahl. In den letzten Jahren sah man sowohl bei den Vertretern der Upperclass als auch bei ausgesprochenen Individualisten farbige Stümpfe. Wie die Clubmitglieder wissen, plädiere ich an dieser Stelle immer für die Individualität. Wichtig ist nicht, dass Sie sich an Regeln halten, sondern dass Sie die Regeln kennen und sie – falls es Ihrem Stil entspricht – im vollen Bewusstsein brechen. Die oft verpönten weißen Socken haben ihren Ursprung im Tennisboom der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Prinzipiell ist nichts zu weißen Socken zu sagen – sofern sie zu sehr hellen Hosen getragen werden – zum Businessanzug würde ich sie hingegen nicht empfehlen.
Wenn Sie meine Beiträge im Blog und auf Instagram verfolgen, dürfte Ihnen nicht entgangen sein, daß ich ein großer Fan der Beatles bin und nachdem der Dezember des Jahres 2017 sehr ergiebig war, wurde es ein besonderes Vergnügen, Yellow Submarine bisweilen zum Business Outfit zu kombinieren. Wenn es gepasst hat – war hin und wieder auch ein interessantes Gesprächsthema gefunden.
In diesem Sinne – haben Sie Mut!
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